Welcome to the jungle - Fall des Monats 03/2018

Eine junge Frau nimmt am Dschungelcamp teil. Ihre Mutter ist Lehrerin und will ihrer Tochter nach Australien folgen, doch die Schule lehnt ihren Antrag auf Sonderurlaub ab. Kurzerhand lässt sie sich für den Zeitraum krankschreiben. Und das fällt auf...

Der konkrete Fall

Eine Studienrätin aus Niedersachsen wollte mit ihrer Tochter, die an der RTL-Serie "Ich bin ein Star - Holt mich hier 'raus!" teilnahm, nach Australien fliegen. Dazu beantragte sie zunächst Sonderurlaub für die Zeit vom 11. bis 27. Januar 2016 – die Landesschulbehörde lehnte ihren Antrag aber ab. Um dennoch mit ihrer Tochter nach Down Under fliegen zu können, ließ sich die Lehrerin vom 7. bis 29. Januar krankschreiben.

Allerdings strahlte der Sender RTL im Rahmen der Sendung eine Videobotschaft aus, die alle Kandidatinnen und Kandidaten ab einem gewissen Zeitpunkt von ihren Angehörigen erhalten. In dieser trat auch die Lehrerin auf. Die Landesschulbehörde leitete ein Disziplinarverfahren ein und enthob die Studienrätin vorläufig aus dem Dienst, da sie zum einen wegen ihres Gesundheitszustandes gelogen hatte und zum anderen öffentlichkeitswirksam zusätzlich eine Reise nach Australien unternommen hatte. Das Vertrauen in die Lehrerin sei somit erschüttert. Damit wollte sich die Frau aber nicht abfinden.

Die Entscheidung des Gerichts

Das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen entschied nun, dass die vorläufige Dienstenthebung der Studienrätin rechtmäßig ist. Das bedeutet konkret, dass die Lehrerin bis zum Abschluss ihres Disziplinarverfahrens keine Klasse mehr unterrichten darf. Die Schwere des Vergehens und die mangelnde Einsicht der Frau lägen den Schluss nahe, dass eine Wiederaufnahme in den Lehrberuf kaum zu erwarten wäre. Durch ihr geplant fragwürdiges Vorgehen habe die Lehrerin die Qualifikation des schulischen Erziehungsauftrags und eine Vorbildfunktion vermissen lassen.

Erschwerend komme außerdem hinzu, dass die Studienrätin während des laufenden Beschwerdeverfahrens entgegen der Vorgaben der Landesschulbehörde einer großen bundesweit erscheinenden Zeitung ein Interview gegeben hat.

Die vorläufige Dienstenthebung einer Lehrerin, die sich krankschreiben lässt, um ihrer Tochter nach Australien in das Dschungelcamp zu folgen, ist rechtmäßig. Die Pädagogin darf somit bis zum Abschluss des Disziplinarverfahrens, das gegen sie läuft, nicht unterrichten, entschied das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen (Az. 3 ZD 10/17).

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