Sturz von Bierbank: Dienstunfall - Fall des Monats 03/2014

Stürzt eine Lehrerin von der Bierbank und verletzt sich dabei, so handelt es sich um einen Dienstunfall, wenn der Festzeltbesuch im Rahmen einer Klassenfahrt stattfindet. Das hat das Verwaltungsgericht Stuttgart entschieden und verpflichtete den Dienstherren zur Anerkennung (Az. 1 K 173/13).

Beschreibung

Die Studienrätin nahm als Begleitung an einer Klassenfahrt nach München teil. Auf dem Programm stand auch ein Besuch des Frühlingsfests, der zum Ausklang des Tages gegen 21 Uhr im Bierzelt enden sollte. Zur Live-Musik tanzten Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gemeinsam auf der Bierbank, bis diese letztlich umkippte und die Lehrerin sich beim Sturz am Rücken verletzte. Daraufhin war sie mehrere Wochen krankgeschrieben. Die Schulbehörde Stuttgart aber verweigerte ihr die Anerkennung eines Dienstunfalls. Denn es gehöre schließlich nicht zu ihren Dienstaufgaben, mit den Schülerinnen und Schülern auf der Bierbank im Festzelt zu tanzen. Die Gefahr hat sie mit dem Besteigen der Bank selbst geschaffen und somit soll auch der Unfall eine rein private Angelegenheit der Lehrerin gewesen sein.

Entscheidung im Fall des Monats März 2014

Dagegen klagte die Pädagogin und bekam vom Verwaltungsgericht Stuttgart Recht. Entscheidend sei, dass der Unfall sich infolge ihrer Dienstpflichten ereignete. Zu diesen gehöre auch die Aufsichtspflicht, die von der Lehrerin wahrgenommen werden musste. Viele Schülerinnen und Schüler seien noch minderjährig und das Alkoholverbot musste überwacht werden, was ihr letztlich auch ganz gut gelang. "Neben der reinen Wissensvermittlung und Beaufsichtigung zählt es ebenso zum pädagogischen Gesamtauftrag, Vertrauen zu den Schülern aufzubauen", erklärt Rechtsanwältin Jetta Kasper von der Deutschen Anwaltshotline.

Daher betont der Richter, dass der Sturz von der Bierbank durchaus im engen Zusammenhang mit den Dienstpflichten stehe. Der Lehrerin kann nicht vorgeworfen werden, sich durch das Besteigen der Bierbank selbst in Gefahr gebracht zu haben, da sie sich "durchaus üblich und sozialadäquat" verhalten habe.

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