Sind Lernende auch außerhalb der Schule unfallversichert?

Ein Schüler wird auf dem Heimweg von einer Projektarbeit, die er auf Anordnung seiner Lehrkraft außerhalb der Schule mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern fertigstellt, schwer verletzt und ist fortan auf einen Rollstuhl angewiesen. Wer muss für einen Unfall außerhalb der Schule haften?

Der konkrete Fall

Der klagende Schüler sollte gemeinsam mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern einen Videoclip im Musikunterricht erstellen. Weil die Gruppe im Unterricht nicht mit ihrem Projekt fertig wurde, hielt sie Rücksprache mit der Lehrkraft und traf sich mit deren Billigung nach dem Unterricht zuhause bei einem Mitschüler. Auf dem Nachhauseweg vom Videodreh geriet die Gruppe jedoch in einen Streit. In dessen Folge schubste ein Mitschüler den klagenden Schüler. Dieser stürzte, verletzte sich schwer und ist seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen. 

Für den Unfall verlangte der verletzte Schüler Entschädigung von der Landesunfallkasse. Weil die Kasse aber davon überzeugt war, dass es sich bei den Dreharbeiten um Hausaufgaben gehandelt habe, lehnte sie jegliche Zahlungen ab. Denn Hausaufgaben fallen laut Landesunfallkasse in den Verantwortungsbereich der Eltern. 

Die Entscheidung des Gerichts

Der Schüler bekam zuletzt auch durch das Bundessozialgericht, das die vorinstanzliche Entscheidung bekräftigte, Recht (Az. B 2 U 8/16 R). Zwar liege die Unfallkasse damit richtig, dass für die Hausaufgaben, die ein Schüler zuhause erledige, kein Versicherungsschutz bestehe. Wenn Lehrkräfte aber Schülergruppen aus pädagogischen oder organisatorischen Gruppen zusammenstellen und ihnen eine Aufgabe auftragen, die sie selbstorganisiert außerhalb der Schule lösen sollen, handele es sich nicht mehr um Hausaufgaben.

Wenn eine Lehrkraft eine Gruppenarbeit anweist oder diese für einen Zeitpunkt außerhalb der Unterrichtszeiten genehmigt, kann laut Bundessozialgericht auch eine Arbeit außerhalb des Schulgeländes als Unterricht gelten. Schließlich werden damit sowohl fachliche als auch soziale und affektive Kompetenzen vermittelt und eingeübt. Damit sind Schüler auch auf dem Hin- und Rückweg gesetzlich unfallversichert, entschied das Gericht.

Treffen sich die Schüler dagegen freiwillig zuhause, ohne dass dies angeordnet oder gebilligt wurde, sind sie nicht unfallversichert. 

Noch mehr Fälle des Monats

In Kooperation mit

Deutsche Anwaltshotline

Der "Fall des Monats" wird angeboten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Anwaltshotline.