Schüler muss wegen Attacke auf Lehrer zum Sozialtraining - Fall des Monats 03/2017

Weil er seinen Lehrer auf einer Klassenfahrt mit einem Schnürsenkel attackiert und gewürgt hatte, muss ein Schüler aus Niedersachsen nun zum Sozialtraining. Dieses Urteil des Landgerichts Hannover bestätigte der Bundesgerichtshof nun und widersprach damit der Forderung der Staatsanwaltschaft (Az. 34 KLs 12/14).

Beschreibung

Der Vorfall ereignete sich bei einer Klassenfahrt des Gymnasiums nach Goslar. Der Lehrer nahm dem damals 14-Jährigen das Handy ab. Darüber geriet dieser so in Rage, dass er wenig später seinem Lehrer im Treppenhaus der Jugendherberge auflauerte und ihn von hinten mit einem Schnürsenkel bewaffnet angriff. Der Lehrer konnte nur mithilfe anderer Schüler befreit werden und erlitt daraufhin Würgemale und einen Sehnenabriss im Finger.  Der Schüler flog daraufhin vom Gymnasium und floh aus Angst vor Konsequenzen nach Russland. Dort wurde er allerdings festgenommen und nach einiger Zeit in russischer Auslieferungshaft den deutschen Behörden übergeben. Diese ermittelten wegen versuchten Totschlags.

Die Entscheidung des Gerichts

Der Bundesgerichtshof bestätigte nun die Entscheidung der Vorinstanz. Das Landgericht Hannover hatte den Schüler wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt und nicht – wie zunächst von der Staatsanwaltschaft gefordert – wegen versuchten Totschlags. Für das Gericht bestand kein Zweifel daran, dass der Schüler seinen Lehrer zuerst mit einem Schlag mit der Hand verletzte und versuchte, ihn mit dem Schnürsenkel zu würgen. Danach nahm er den Mann in den Schwitzkasten.

Eine Tötungsabsicht steckte laut Gericht aber nicht hinter dem Angriff. Der mittlerweile 16-Jährige erhielt daher auch keine Jugendstrafe, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert. Das Landgericht verurteilte ihn also zu einem sozialen Trainingskurs.

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