Namensnennung in Buch - Fall des Monats 11/2015

Nürnberg (D-AH/js) – Eine Lehrerin, die ein Buch über ihre ehemaligen Grundschüler schreibt, darf vollständige, richtige Namen nicht ohne Zustimmung nennen. Das gilt besonders dann, wenn die Schülerin negativ dargestellt wird. So entschied der Bundesgerichtshof (Az. VI ZR 175/14).

Beschreibung

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, sollte ein als hochbegabt eingestuftes Mädchen die zweite Klasse überspringen. Die Lehrerin dieser Klasse war allerdings dagegen und versuchte, sie ohne Einverständnis der Schulleitung wieder in die zweite Klasse zurück zu versetzen. Die Grundschülerin, deren Mutter und die Lehrerin stritten sich daraufhin über mehrere Monate. Vier Jahre später veröffentlichte die Lehrerin ein Buch, indem sie den Vorfall schilderte. Sie beschrieb das Mädchen als "Möchtegernüberspringerin" und "Pseudo-Hochbegabte" mit mangelhaften Schreib- und Rechenfähigkeiten. Da sie auch den vollen Namen der Schülerin nannte, klagte das Kind mit seiner Mutter.

Entscheidung im Fall des Monats November 2015

Das Bundesverfassungsgericht gab dem Mädchen recht. Die Lehrerin habe das Persönlichkeitsrecht der Schülerin verletzt, da die veröffentlichte Identität die kindgemäße Entwicklung störe. "Ohne die Einwilligung des Mädchens und ihrer Familie hätte die Lehrerin es in ihrem Buch nicht namentlich erwähnen dürfen", erklärt Rechtsanwältin Ulrike Westhauser die gesetzliche Grundlage. Das Recht der Lehrerin, ihre Meinung frei zu äußern, tritt dabei in den Hintergrund. Die Lehrerin muss deswegen eine Entschädigung an die Schülerin zahlen und zukünftig nur anonymisierte Namen verwenden.

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