Kind hat kein Recht auf Grundschule nach Wahl - Fall des Monats 10/2017

Ein angehendes Grundschulkind hat keinen Anspruch darauf, in eine Grundschule eines anderen Schulbezirks eingeschult zu werden, nur weil es dort bereits Freunde hat. Das beschloss das Verwaltungsgericht Wiesbaden (Az. 6 L 4416/17.WI).

Beschreibung

Der konkrete Fall: Da ein angehender Schüler bereits in einem Kindergarten und im Fußballverein außerhalb seines Schulbezirks Freunde gefunden hatte, wollte er auch in dieselbe Grundschule wie seine Freunde. Außerdem waren die Eltern der Meinung, dass die besagte Grundschule für ihren Sohn die bessere Alternative wäre, da ihr Sohn aus logopädischen Gründen auf kleinere Klassengrößen angewiesen sei und die der Schule in seinem Schulbezirk zu groß seien.

Die Entscheidung des Gerichts

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden lehnte den Antrag der Eltern nun ab. Der Besuch der Grundschule im zugehörigen Schulbezirk sei dem Kind zuzumuten. Die Klassengrößen liegen in der betreffenden Schule im Durchschnitt bei 17 Schülerinnen und Schülerinnen, dies sind nur zwei Schülerinnen und Schüler mehr als in der Wunsch-Grundschule. Auch dort könnten sich die Lehrkräfte um die besonderen logopädischen Ansprüche des Jungen kümmern. Zwar sei bedauerlich, dass der angehende Schüler seine Kindergartenfreunde nicht mehr täglich um sich habe, dies sei aber wegen der unterschiedlichen Einzugsgebiete von Kindergärten und Grundschulen unvermeidlich. Kindergartenfreunde allein begründen also keine Aufnahme in die Wunsch-Grundschule. Dafür müsse ein sogenannter wichtiger Grund vorliegen, so das Gericht. 

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