Befreiung vom Schwimmunterricht? Fall des Monats 02/2014

Schülerinnen dürfen nicht aus religiösen Gründen dem Schwimmunterricht fernbleiben. Für muslimische Mädchen sei ein Ganzkörperbadeanzug, ein sogenannter Burkini, eine zumutbare Kompromisslösung. So urteilte das Bundesverwaltungsgericht.

Beschreibung

In strenger Auslegung gebiete der Koran, den Körper von Mädchen ab sieben Jahren mit Ausnahme von Gesicht und Händen zu bedecken. Eine Schülerin, die einige Jahre in Marokko gelebt hatte, weigerte sich daher, am Schwimmunterricht teilzunehmen. Außerdem gestatte ihre Religion ihr nicht, sich Jungs in knapper Kleidung zu zeigen sowie körperliche Berührungen mit ihnen zu riskieren. Einen Burkini akzeptiert sie nicht, da sie damit "stigmatisiert und ausgegrenzt" würde. Solange die Schule den Schwimmunterricht nicht nach Geschlechtern getrennt anbiete, müsse sie davon befreit werden. Doch die Schule erlaubte ihr keine Ausnahme von der Schulpflicht.

Entscheidung im Fall des Monats Februar 2014

Nachdem das Verwaltungsgericht Frankfurt und der Hessische Verwaltungsgerichtshof die Entscheidung der Schule bestätigt hatten, gab ihr schließlich auch das Bundesverwaltungsgericht Recht. Die Richter der höchsten Instanz sind ebenso der Meinung, dass der Burkini für muslimische Schülerinnen einen Kompromiss bietet. Wer eine zumutbare Lösung ausschlage, habe auch keinen Anspruch auf Befreiung vom Schwimmunterricht, urteilte die höchstrichterliche Instanz.

"Noch 1993 urteilte das Bundesverwaltungsgericht in derselben Frage zugunsten muslimischer Schülerinnen. Damals wurde jedoch noch nicht der Ganzkörper-Badeanzug berücksichtigt", erklärt Rechtsanwältin Jetta Kasper. Mit der Möglichkeit, den Burkini zu tragen, akzeptierten einige hessische Schulen das Urteil von damals nicht mehr. Die Klägerin kündigte an, trotz des Urteils nicht am Schwimmunterricht teilzunehmen.

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