Schulbücher einscannen? - Fall des Monats 01/2015

Veröffentlicht am 12.01.2015

Darf eine Lehrkraft die digitale Kopie eines Schulbuchs, das sie selbst besitzt, auch im Unterricht verwenden oder verstößt sie damit gegen das geltende Urheberrecht?

Entscheidung im Fall des Monats Januar 2015

Ist das Buch Eigentum der Lehrerin oder des Lehrers, so darf sie oder er dieses für private Zwecke kopieren und auch einscannen. Das besagt das Recht auf Privatkopie (§ 53 UrhG). Dennoch darf eine Lehrkraft ein gescanntes Buch nicht im Unterricht verwenden, denn im Klassenzimmer gilt eine Lehrerin beziehungsweise ein Lehrer nicht als Privatperson. Die Lehrkraft dürfte also die gescannten Bücher nur in der Freizeit, etwa zur Weiterbildung, nicht aber zum Unterrichten verwenden.

Die Privatkopie darf sogar im persönlichen Umfeld verbreitet werden. Zum Beispiel dürfen die Scans an einen befreundeten Kollegen weitergeben werden. Im Unterricht nutzen darf die digitalisierte Version aber keiner von beiden.

Bekommt die Lehrkraft das Buch als Lehrmaterial von der Schule gestellt, ist es Eigentum der Schule. Die Schule selbst ist eine öffentlich-rechtliche Einrichtung - nur eine natürliche Person hat einen Anspruch auf die Privatkopie. Weder Schule noch Lehrkraft dürfen in diesem Fall das Buch einscannen.

Unterrichtsmaterial muss immer im entsprechenden Format vorliegen. Um sich das Herumschleppen der Bücher sparen zu können, müsste die Lehrkraft also die digitale Version des Buches erwerben. Es kommt stets auf die Lizenz an. In dieser legt der Verlag selbst fest, was wie im Unterricht verwendet werden darf.


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