"Nazi-Lied im Unterricht" - Fall des Monats 05/2015

Veröffentlicht am 01.05.2015

Eine Musiklehrerin an einem Berliner Gymnasium hatte ihrer Klasse das seit 1945 verbotene Horst-Wessel-Lied vorgeführt und wurde angezeigt.

Entscheidung im Fall des Monats Mai 2015

Die Staatsanwaltschaft stellte schon bald ihre Ermittlungen wieder ein: Es sei kein strafbares Verhalten seitens der Lehrerin zu erkennen. Der Rahmenlehrplan behandele die "Funktionalisierung von Musik im Dienste politischer, religiöser und wirtschaftlicher Interessen". Daran habe sich die Pädagogin schließlich gehalten. Die Lehrerin habe das Lied zudem wissenschaftlich und pädagogisch behandelt, als sie es mit der Klasse besprach. Sie hätte auf die Parodie des Liedes von Berthold Brecht hinaus gewollt: Der "Kälbermarsch" sei ohne Kenntnis des Originals nicht zu verstehen.

Der Ankläger kündigte aber an, diese Entscheidung juristisch prüfen zu lassen. Er kritisierte vor allem, dass das an die Lernenden verteilte Blatt keinen Hinweis auf das Verbot des Liedes enthielt.

Die Schule trägt den Namen einer jüdischen Mathematikerin, die in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts, vertrieben von den Nazis, in die USA emigrierte. Zudem nimmt das Gymnasium an dem Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" teil. Auch eine "Willkommensklasse" für Flüchtlingskinder gibt es dort.


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